Eine (ganz) kurze Abhandlung zur generationsübergreifenden Verbundenheit und individuellen Autonomie als Tandem für unternehmerischen Erfolg

Essay

Eine (ganz) kurze Abhandlung zur generationsübergreifenden Verbundenheit und individuellen Autonomie als Tandem für unternehmerischen Erfolg

Jeder Mensch trägt zwei fundamentale psychische Grundbedürfnisse in sich: das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Verbundenheit sowie das Bedürfnis nach Autonomie und individueller Freiheit. Diese Bedürfnisse stehen nicht in einem Widerspruch zueinander – sie schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern ergänzen sich.

Als soziale Wesen sind wir auf Gemeinschaft angewiesen, denn ohne Zugehörigkeit wären wir nicht überlebensfähig. Gleichzeitig streben wir als Individuen danach, uns zu entfalten, unser Potenzial auszuschöpfen und selbstbestimmt zu leben. Die Balance zwischen Verbundenheit und Autonomie ist essenziell für unser psychisches Wohlbefinden. Gerät sie aus dem Gleichgewicht – im Extremfall durch totale Abhängigkeit oder völlige Isolation –, hat das Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit und unser soziales Miteinander.

Doch was, wenn unser Streben nach Autonomie überhandnimmt und in extremen Individualismus mündet? Verlieren wir dabei das Gleichgewicht – und damit etwas, das uns als Menschen ausmacht? Wirkt sich diese potenzielle Entwicklung negativ auf unsere Psyche, und damit auf unser Miteinander in der Gesellschaft insgesamt aus?

In der westlichen Welt entwickelte sich seit der Zeit der Aufklärung eine Tendenz, welche das Individuum zunehmend in den Mittelpunkt stellte. Der Einzelne strebte fortan danach, sich von den Zwängen des Kollektivs zu befreien. Der Individualismus wurde geboren. Der aufkeimende Kapitalismus unterstützte diese Entwicklung. Der Siegeszug der digitalen Medien und der Künstlichen Intelligenz befeuert sie weiter.

Meiner Meinung nach haben soziale Bindungen bereits an Bedeutung eingebüßt. Sie wurden, und werden, zumindest in Teilen, immer instabiler. Wie sonst ist zu erklären, dass sich in vielen Ländern eine zunehmende soziale Isolation ausbreitet? Das Gefühl der Einsamkeit nimmt zu, nicht nur bei älteren Menschen. Die Corona-Pandemie hat diese Entwicklung beschleunigt. Individualismus ist auf dem Vormarsch.

Wie wirken sich diese Entwicklungen auf Unternehmen aus? Und vor allem: Wie kann entgegengewirkt werden? Unternehmen müssen sowohl Raum für individuelle Entfaltung geben als auch einen Rahmen schaffen, in welchem diese Entfaltung in einem gelebten Miteinander aufgehen kann. Und das generationsübergreifend. Wie herausfordernd diese Aufgabe ist, macht ein Vergleich zwischen der Generation X und der Generation Alpha deutlich, denn die Generation Alpha unterscheidet sich von der Generation X in nennenswertem Umfang.

Die Generation X wuchs in einer analogen Welt auf, die Generation Alpha wird in einer digitalen und durch KI geprägten Welt erwachsen. Der Generation X ist eine Work-Life-Balance wichtig und sie benötigt Stabilität in Einkommen und Beruf. Die Generation Alpha wird wahrscheinlich eine hyperflexible Arbeitswelt erleben, mit Homeoffice, KI-gestützten Jobs und Fokus auf Selbstverwirklichung. Die Generation X wertet Unabhängigkeit, Eigenverantwortung und pragmatische Problemlösung. Die Generation Alpha wird voraussichtlich ein starkes Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Diversität und soziale Gerechtigkeit haben.

Soweit die Unterschiede. Jedoch: Das Bedürfnis nach Verbundenheit einerseits, und nach individueller Entfaltung andererseits, ist generationsunabhängig. Es wurde uns in die Gen-Wiege gelegt. Unternehmen müssen sich folglich auf die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse besinnen. Statt Unterschiede zu adressieren und sich auf diese zu konzentrieren, gilt es, das Gemeinsame, das Verbindende anzustreben.

Ziele und Werte schaffen Verbindung – vorausgesetzt, sie werden geteilt und gelebt. Ziele zeigen den Weg, geben Orientierung, machen Mut. Geteilte Werte, als grundlegende Voraussetzung für gelebtes Miteinander, verbinden. Auch die gemeinsame Orientierung an den Bedürfnissen der Kunden und Märkte als auch am Wertschöpfungsprozess haben bindenden Charakter, sorgen für Zusammenhalt im Unternehmen als Ganzes.

Verbundenheit ist essenziell für unser Überleben, denn Menschen sind soziale Wesen. Ohne stabile Beziehungen, Zugehörigkeit und Unterstützung hätten wir evolutionär kaum eine Chance gehabt. Autonomie und das Streben nach individueller Entwicklung sind ebenso überlebenswichtig. Nur wer sich anpasst, lernt und sein Potenzial entfaltet, kann in einer Gemeinschaft langfristig bestehen und einen Beitrag leisten. Diese Kombination, Potenzialentfaltung und gelebte Vielfalt in Verbundenheit, macht uns erfolgreich, bringt uns nach vorne – in der Gesellschaft allgemein und in Unternehmen im Besonderen. Ziele und Werte sowie Kundenfokus und Prozesssicht geben dabei Orientierung und Gestaltungsspielraum und erhöhen die Wahrscheinlichkeit für zukünftigen Erfolg.